The Munich Times

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Monat: Januar 2019

Mein Kiez: Wohlfühlen in der Maxvorstadt

In der Maxvorstadt unmittelbar an die Altstadt angrenzend, im Zentrum von München, leben rund 12 000 Menschen und im Durchschnitt die jüngste Bevölkerung der Stadt. Laut des statistischen Taschenbuchs aus dem Jahr 2017 sind über 67 Prozent der Einwohner jünger als 44 Jahre. Zur Maxvorstadt gehören die Gebiete Universität, Königsplatz-Marsfeld und Josephsplatz.

 

Ihren Namen erhielt die Maxvorstadt vom bayrischen König Maximilian I. Joseph, welcher zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihren Entwurf und Bau in Auftrag gab. Es handelte sich damals um die erste Erweiterung der Stadt München. Besonders junge Familien wohnen oder ziehen heute in die Maxvorstadt – genauer gesagt in die Gegend des Königsplatzes.
Aber nicht nur Familien fühlen sich wohl in dem Bezirk. Auch Rentner wissen den Stadtteil zu schätzen. So sind 22 Prozent der Einwohner über 65 Jahre alt. Die ältere Generation wohnt am liebsten im Stadtteil Thalkirchen-Obersendling. Das kann daran liegen, dass in dieser Gegend in letzter Zeit die meisten neuen Wohnungen entstanden sind und die älteren Generationen mehr Wert auf Komfort, Neubau und moderne Ausstattung legen.

Ein wichtiges Zentrum für Kultur, Bildung und Verwaltung

In der Maxvorstadt sind auf engstem Raum Kunst, Kultur und Bildungseinrichtungen der Stadt versammelt, allen voran die renommierte Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und die Technische Universität (TU) mit zusammen mehr als 90 000 Studenten im Semester. Allein aufgrund der vielen Studenten hat die Maxvorstadt in den letzten Jahrzehnten einen starken Wandel erlebt. Lange galt der Bezirk als Rentnerviertel. Doch mittlerweile leben und arbeiten hier viele junge Menschen. Es herrscht Trubel auf den Straßen.

Die Nachfrage nach Wohnungen – vor allem nach einzelnen Apartments – hat sich in den vergangenen Jahren rasant erhöht. In ganz München sind im vergangenen Jahr etwa 7000 neue Wohnungen gebaut worden, allein davon 707 in der Maxvorstadt. Die Stadt wächst stetig. Die Bertelmanns-Stiftung geht von einem Einwohnerwachstum von mehr als 14 Prozent bis zum Jahr 2030 aus. Das heißt, dass München bis dahin in etwa 1.8 Millionen Einwohner umfassen wird.

Auch die Kunst und Kultur spielt in der Maxvorstadt eine herausragende Rolle. Hier gibt es eine große Dichte an Museum, Archiven und Kunststammlungen der Stadt, darunter die Alte- und Neue Pinakothek, die Antikensammlung, das Bayrische Staatsarchiv, die Akademie der Bildenden Künste und die Hochschule für Musik und Theater. Dazukommen zahlreiche Verwaltungsgebäude wie Gerichte, Finanzämter und das Landeskriminalamt.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Bekannte Persönlichkeiten wie Thomas Mann und Franz Josef Strauß sind in der Maxvorstadt aufgewachsen, haben hier gelebt oder gearbeitet. Viele Gebäude und Orte sind heute als stumme Zeugen der Zeit des Nationalsozialismus übrig geblieben. Hierzu gehört das Gelände der ehemaligen Gestapozentrale, in welches Sophie und Hans Scholl nach ihrer Verhaftung gebracht wurden. – Heute steht hier ein neues Verwaltungsgebäude. Auch die frühere Zentrale der NSDAP befand sich in der Maxvorstadt. Seit 2005 erinnert ein Dokumentationszentrum als Ort zum Nicht-Vergessen und Lernen an die Verbrechen des Nationalsozialismus. In wechselnden Sonderausstellungen haben Besucher dort die Möglichkeit sich zu aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Rechtsextremismus und rechtsextreme Gewalt zu informieren.

In der Türkenstraße 57 befindet sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts das Gasthaus „Alter Simpl“. Dort verbrachte schon der Schriftsteller Thomas Mann den einen oder anderen Abend. Zahlreiche andere Cafés, Restaurants und Bars sind in der Zwischenzeit in dem Stadtbezirk entstanden. Hierzu gehören auch das Café „Jasmin“, das seine Gäste zurückversetzt in die 50er Jahre, das Café „Ignaz“ mit leckeren veganen und vegetarischen Speisen und der „Laden“ mit frischen Produkten aus der Umgebung von München.

Thomas Mann in München

Als Thomas Mann in München wohnhaft wurde, war er noch kein berühmter Schriftsteller. Doch in München entstanden seine berühmtesten Werke wie „Die Buddenbrooks“, „Der kleine Herr Friedemann“, „Der Zauberberg“ oder die „Betrachtungen eines Unpolitischen“.

Gerade Münchener lieben die Werke des Thomas Mann und können zwischen dem Lesen durch ihre geliebte Stadt zu den Orten aus den Romanen spazieren. Thomas Mann beschreibt die Plätze, Gärten und Gebäude sehr detailgetreu. So ist der Leser vor seinem inneren Auge beispielsweise an der Akademie für Künste oder direkt am lebendigen Odeonsplatz.

Wer Thomas Manns Wege nachempfinden möchte, sollte sich nach München aufmachen und die Stationen abgehen. Heute steht zwar nicht an jedem Platz jedes Haus, doch mit ein wenig Fantasie kann man es bildlich vor sich sehen.

Die sieben Stationen

Konradstraße 11

Hierhin zieht der junge Thomas Mann, um sich zu verstecken. Die Wohnung befindet sich zu der damaligen Zeit unweit von der seiner Mutter. In dieser Zeit muss Mann oft in Schwabing umziehen und schreibt an seinem Werk „Die Buddenbrooks“. Thomas Mann wusste schon in dieser Zeit, was er wollte. Als Verleger ihn baten sein Werk zu kürzen, bestand er auf die ungekürzte Version.

Porschingerstraße

Diese Adresse ist wohl die bekannteste, denn hier erbaute sich Thomas Mann seine erste Villa. Mitten im Herzogpark, in dem er es liebte zu spazieren. Diese Villa wurde jedoch nach der Rückkehr aus dem Exil nicht mehr von ihm bewohnt. Sie wurde abgerissen. Heute finden Besucher ein neues Haus an dieser Stelle, es wurde Thomas-Mann-Villa getauft, da sein Geist noch immer an diesem Platz zu finden sein soll.

Franz-Joseph-Straße 2

In der Franz-Joseph-Straße bewohnte Thomas Mann die erste Wohnung mit seiner Ehefrau Katja. Sie lebten im dritten Stock. Dort kamen auch ihre vier Kinder zur Welt.

Ludwigstraße

Die Gegend zwischen dem Odeonsplatz, der Ludwigskirche und der Akademie für Künste ist vor allem als Schauplatz der Novelle „Gladius dei“ bekannt. Berühmt ist insbesondere ihr erster Satz: „München leuchtete.“

Rambergstraße 2 in der Maxvorstadt

Das ist die erste Adresse in München von Thomas Mann. Hierhin zog er mit seiner Familie, nachdem sein Vater verstorben war. In der Wohnung hatte Thomas Mann schon seinen Lieblingsbären, den heute jeder im Literaturhaus besichtigen kann. Das Haus in der Maxvorstadt war auch der Drehort der Dokumentation über die Mann-Familie. An dieser Adresse beginnt Thomas Mann mit dem Schreiben der „Buddenbrooks“. Leider trugen sich auch tragische Ereignisse zu. Seine jüngere Schwester Carla nahm sich hier im Badezimmer mit 28 Jahren das Leben.

Die Tonhalle

In der Tonhalle gab es am 30. November 1929 eine Kundgebung der Deutschen Demokratischen Partei. Thomas Mann hatte sie initiiert und war selbst Gast und Redner. Sein Bruder Heinrich hielt ebenfalls eine Rede. – Er war sein größter Konkurrent. An diesem Abend ging es darum, dass Münchens Bedeutung als Kulturstadt schwand. Es kamen viele Menschen zu der Kundgebung, sodass nicht alle hereingelassen werden konnten und die Reden extra abgedruckt und herumgegeben wurden.

Arcisstraße 12

In dem prunkvollen Haus wohnten die Eltern seiner Ehefrau Katia. Schon bevor er sie kannte, war Thomas Mann gerne in der Gegend des Königsplatzes unterwegs. Es war schon früh am Großbürgertum und seinem Leben interessiert, und war fasziniert von den großen und opulenten Häusern der Straße.

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