Liebevoll nennen die Bayern das seit 1810 stattfindende Oktoberfest die „Wiesn“. Es findet jährlich in der Zeit von Ende September bis Anfang Oktober für 2 Wochen auf der Münchner Theresienwiese statt. Die 42 Hektar große Sonderfläche befindet sich zentrumsnah in Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Mit durchschnittlich 6 Millionen Besuchern ist es das größte Volksfest der Welt.

Da in den 15 kleinen und 14 großen Festzelten gerade 100.000 Personen Sitzplätze finden, sind sie oft schon kurz nach der Öffnung wegen Überfüllung geschlossen. Trotzdem tut das der Freude und dem Spaß auf der Wiesn keinen Abbruch. In den Betriebsvorschriften des Oktoberfestes steht geschrieben, dass auf dem Fest nur Bier der Münchner Traditionsbrauereien ausgeschenkt werden darf. Derzeit zählen zu diesen Brauereien, mit Sitz in München, Paulaner, Spatenbräu, Hacker-Pschorr, Augustiner, Hofbräu und Löwenbräu. Die Brauereien verkaufen auf der Festwiese jährlich rund 60.000 Hektoliter Bier. Neben dem Bier konsumieren die Gäste fast eine halbe Million Brathendl auf dem Oktoberfest.

Geschichte und Traditionen des Oktoberfestes

Die Hochzeit des Kronprinzen Ludwig I. und der Prinzessin Therese fand 1810 mit vielen öffentlichen und privaten Veranstaltungen statt. Beginnend mit einem Pferderennen, wuchs die jährlich durchgeführte Veranstaltung von ersten Schaukeln und Karussellen zu einem immer beliebter werdenden Fest für die ganze Familie. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde es dann langsam zu einem überregional bekannten Volksfest, das heute Besucher aus der ganzen Welt anlockt. In Jahren des Krieges fiel das Fest aus und nach dem 2. Weltkrieg gab es auch keine Pferderennen mehr.

Dafür entstanden neue Traditionen, die bis heute gepflegt werden. Das Oktoberfest wird mit dem Einzug der Wiesenwirte und Brauereien gefeiert. Begleitet von Musikkapellen und Kutschen marschieren sie ein. Anschließend wird um 12 Uhr der Fassanstich durch den jeweils amtierenden Oberbürgermeister der Stadt München vorgenommen. Bis heute wird die Zeremonie ebenso live im Fernsehen übertragen wie der Trachten- und Schützentag am Folgetag. Dieser wurde 1835 anlässlich der Silberhochzeit von König Ludwig I. und Therese eingeführt. Am ersten Wiesen-Sonntag präsentieren rund 9.500 Mitwirkende die Trachten, das Brauchtum und den Volkstanz Bayerns. Festlich gekleidet und mit geschmückten Festwägen geht es an Tribünen mit Ehrengästen durch die Münchner Innenstadt zur Oktoberfestwiese.

Attraktionen und die Oide Wiesn

Zu den beliebtesten Attraktionen des Oktoberfestes gehören das Riesenrad, der „Schichtl“ sowie die „Krinoline“. Im „Schichtl“ werden täglich in kurzen Vorstellungen Zaubereien und Kuriositäten vorgestellt. Jährlich präsentiert sich dort eine eigens für das Oktoberfest entwickelte Show, bei der stets auf humorvolle Weise das vorbeigehende Publikum beschimpft wird. Der Höhepunkt der Veranstaltung ist die inszenierte Enthauptung einer lebendigen Person. Bei der „Krinoline“ handelt es sich um ein traditionelles Rundkarussell, das seit nunmehr fast 100 Jahren fester Bestandteil der Wiesn ist.

Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums des Oktoberfestes wurde vor einigen Jahren erstmals die Oide Wiesn eingeführt. Es findet am Rande des Oktoberfestes statt und ist im Grunde eine eigene unabhängige Veranstaltung. Dort werden dem Besucher historische Fahrgeschäfte, Festzelte und traditionelle Attraktionen geboten. Begleitet mit einem künstlerischen und kulturellen Programm können hier ein Museums- sowie Tierzelt besichtigt werden. Ebenso wird dort die traditionelle Pferderennbahn präsentiert. Die Gäste erhalten auf der Oiden Wiesn ein eigens dafür, von den Münchner Brauereien gemeinsam gebrautes, dunkles Spezialbier. Dies wird nach einer historischen Rezeptur des 19. Jahrhunderts hergestellt.